Referenzfall – Schimmelpilzschaden und bauphysikalische Ursachenermittlung


ANONYMISIERTES MUSTERGUTACHTEN

Referenzfall – Schimmelpilzschaden und bauphysikalische Ursachenermittlung

Sachverständiger:
Fred Rohleder (Dipl.-BWA)

Freier, unabhängiger Sachverständiger für Feuchte- und Schimmelschäden
Frankfurt am Main

Web: www.schimmelgutachter.expert
E-Mail:
schimmelpilze@online.de


Hinweis zum Datenschutz und zur Verwendung als Referenzfall

Dieses Dokument stellt ein anonymisiertes Referenzgutachten aus der sachverständigen Praxis dar.

Personenbezogene Daten wie Namen, genaue Objektadressen, Auftraggeber- und Mieterdaten wurden entfernt bzw. anonymisiert.

Die dargestellten Untersuchungsmethoden, Messverfahren, Messwerte und fachlichen Bewertungen orientieren sich an einem tatsächlichen Untersuchungsfall.

Das Beispiel dient ausschließlich dazu, meine fachliche Vorgehensweise und die mögliche Struktur einer sachverständigen Untersuchung zu veranschaulichen.

Es ersetzt kein auf ein konkretes Objekt bezogenes Gutachten.


1. Untersuchungsobjekt und Auftrag

Untersuchungsobjekt

Mehrfamilienhaus / Mietwohnung im 1. Obergeschoss
35510 Musterstadt – anonymisiert

Auftraggeber

Eigentümergemeinschaft – anonymisiert

Nutzer / Mieter

Anonymisiert

Ortstermine

05.03.2026 – Erstbegehung und Installation der Datenlogger

17.03.2026 – Demontage der Datenlogger

Sachverständiger

Fred Rohleder (Dipl.-BWA)

Freier, unabhängiger Sachverständiger und Gutachter für Feuchte- und Schimmelschäden


2. Fragestellung und Prüfauftrag

2.1 Gegenstand der Beauftragung

Gegenstand der Untersuchung war die sachverständige Bewertung der in der Wohnung festgestellten Schimmelpilzerscheinungen sowie die Untersuchung der hierfür möglicherweise maßgeblichen baulichen, bauphysikalischen und raumklimatischen Einflussfaktoren.

Im Rahmen der Untersuchung wurden insbesondere betrachtet:

  • vorhandene Schadensbilder
  • betroffene Bauteilbereiche
  • Feuchteverhältnisse der Bauteile
  • Raumluftbedingungen
  • Oberflächentemperaturen
  • mögliche thermische bzw. konstruktive Schwachstellen
  • zeitliche Entwicklung von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit
  • Hinweise auf frühere Feuchteeinwirkungen


2.2 Prüfauftrag

Im Rahmen der Begutachtung sollte insbesondere untersucht und fachlich bewertet werden,

  • ob bauliche, konstruktive oder materialbedingte Einflussfaktoren vorliegen,
  • ob nutzungsbedingte Einflüsse wie Heizen und Lüften für die festgestellten Verhältnisse relevant sein können,
  • ob bauphysikalische Besonderheiten wie Wärmebrücken oder reduzierte Oberflächentemperaturen vorhanden sind,
  • ob Hinweise auf frühere Feuchteeinträge oder einen vorausgegangenen Wasserschaden bestehen,
  • und wie die einzelnen Feststellungen und Messergebnisse im Zusammenhang zu bewerten sind.

Dabei wurde ausdrücklich berücksichtigt, dass die Ursache eines Feuchte- oder Schimmelschadens häufig nicht durch eine einzelne Messung festgestellt werden kann.


3. Objektbeschreibung und bauphysikalische Einordnung

Das untersuchte Gebäude wurde nach den vorliegenden Angaben etwa im Jahr 1976 errichtet.

Die umlaufenden Außenwände wurden vor etwa 20 Jahren durch ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) energetisch ertüchtigt.

Die Fenster verfügen über Kunststoffrahmen mit zweifacher Isolierverglasung.

Nach Angaben der Eigentümer wurden die äußeren Fensterlaibungen im Jahr 2025 nachträglich gedämmt.

Durch die energetische Ertüchtigung ist grundsätzlich von einer Verbesserung der Wärmedämmung der Regelwandflächen auszugehen.

Davon unabhängig können an konstruktiven Anschlüssen weiterhin thermisch ungünstigere Bereiche vorhanden sein.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Fensterlaibungen
  • Rollladenkästen
  • Decken-Wand-Anschlüsse
  • Außenecken
  • konstruktive Bauteilanschlüsse

An solchen Bereichen können unter ungünstigen Randbedingungen niedrigere Oberflächentemperaturen auftreten.

Bei gleichzeitig erhöhter Raumluftfeuchtigkeit kann dies zu einer erhöhten Oberflächenfeuchte führen und damit die Voraussetzungen für mikrobielles Wachstum begünstigen.

Die tatsächliche Bedeutung eines solchen Bauteilbereichs ist jedoch anhand der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten zu beurteilen.


4. Fachtechnische Untersuchungsmethodik

Um die unterschiedlichen möglichen Einflussfaktoren voneinander abzugrenzen, wurden mehrere Untersuchungsverfahren miteinander kombiniert. Die Auswahl der Verfahren erfolgte entsprechend der Fragestellung und den vor Ort festgestellten Gegebenheiten.


4.1 Mikrowellen-Feuchtemessung

Zur zerstörungsfreien Untersuchung der Bauteilfeuchte wurde ein MOIST 350 mit entsprechendem Messkopf eingesetzt.

Das Messverfahren ermöglicht eine zerstörungsfreie Untersuchung und unterstützt die Beurteilung der Feuchteverteilung innerhalb des untersuchten Bauteilbereichs.

Die Messwerte dienen insbesondere dazu, auffällige Bereiche zu erkennen und mögliche Unterschiede innerhalb einer Bauteilfläche zu erfassen.

Dabei können sich Hinweise ergeben, die bei der weiteren Beurteilung beispielsweise hinsichtlich

  • oberflächennaher Feuchte,
  • tiefergehender Feuchte,
  • möglicher Durchfeuchtung,
  • Feuchteeinträgen
  • oder verbliebener Restfeuchte

berücksichtigt werden können.

  • Die Messanzeige ist dabei nicht isoliert als Beweis für eine bestimmte Schadensursache zu verstehen.


4.2 Kontinuierliche hygrothermische Langzeitmessung

Zur Beurteilung der tatsächlichen raumklimatischen Bedingungen wurden Datenlogger eingesetzt.

Erfasst wurden:

  • Raumlufttemperatur
  • relative Luftfeuchtigkeit
  • Wandoberflächentemperatur

Die Aufzeichnung erfolgte in einem 10-Minuten-Intervall über 12 Tage, vom 05.03.2026 bis zum 17.03.2026.

Durch die Langzeitmessung konnten mehrere tausend Einzelmessungen ausgewertet werden.

Damit lassen sich zeitliche Schwankungen erkennen, die durch eine einzelne Momentaufnahme nicht erfasst werden können.


4.3 Fluoreszenzoptische Untersuchung

Ergänzend wurde eine Lumatec Superlite M05 mit einer Wellenlänge von 445 nm eingesetzt.

Die fluoreszenzoptische Untersuchung diente der ergänzenden Spurendetektion und der Untersuchung von Auffälligkeiten, die bei einer ausschließlichen visuellen Betrachtung möglicherweise nicht unmittelbar erkennbar sind.

Die Ergebnisse einer solchen Untersuchung sind ebenfalls im Zusammenhang mit den übrigen Feststellungen zu bewerten.


5. Feststellung des Ist-Zustandes

Bei der Untersuchung vor Ort lagen die gemessenen Oberflächentemperaturen zum Zeitpunkt der Messung oberhalb des jeweils ermittelten Taupunktes.

Eine unmittelbare Tauwasserbildung aufgrund einer zum Messzeitpunkt festgestellten Taupunktunterschreitung wurde damit bei den untersuchten Messpunkten nicht festgestellt.

Der Temperaturfaktor fRsi lag bei den untersuchten Räumen oberhalb des in DIN 4108-2 herangezogenen Mindestwertes von 0,70.

Diese Feststellungen beziehen sich auf die Bedingungen zum Zeitpunkt der Messung.

Sie können daher nicht ohne Weiteres auf andere Zeiträume übertragen werden.


6. Punktmessungen beim Ortstermin

Raum Raumtemp. (°C) rel. Luftfeuchte (%) Taupunkt (°C) Oberflächentemp. kälteste Stelle (°C) Oberflächen r.F. (%) / $a_w$-Wert fRsi- Wert
Jugendzimmer 20,9 47,3 9,3 15,8 65% / 0,65 0,80
Kinderzimmer 22,1 52,9 12,1 15,9 59% / 0,59 0,90
Schlafzimmer 20,4 59,1 12 17,8 67% / 0,67 0,90
Wohnzimmer 21,8 52,0 11,5 18,8 62% / 0,62 0,85

Fachtechnische Bewertung

Die Punktmessungen zeigen für den Zeitpunkt der Untersuchung keine unmittelbare Taupunktunterschreitung an den untersuchten Messstellen.

Die niedrigsten gemessenen Oberflächentemperaturen lagen jeweils oberhalb des ermittelten Taupunktes.

Die Messwerte stellen jedoch lediglich eine Momentaufnahme dar.

Insbesondere bei Schimmelpilzschäden ist deshalb zu berücksichtigen, dass ungünstige hygrothermische Bedingungen auch zeitweise auftreten können und durch eine einmalige Messung möglicherweise nicht erfasst werden.

Aus diesem Grund wurde ergänzend eine Langzeitmessung durchgeführt.


7. Raumspezifische Befunde und Ursachenanalyse

7.1 Schimmelpilzerscheinungen an den Fensterlaibungen

Befund

In mehreren untersuchten Räumen zeigte sich sichtbarer Schimmelpilzbefall im Bereich der oberen Fensterlaibungen und angrenzender Bauteilanschlüsse.

Die Untersuchung mit dem MOIST 350 ergab keine Hinweise auf eine relevante tiefere Durchfeuchtung des untersuchten Bauteilbereichs.

Die Untersuchung mit dem MOIST 350 ergab in den untersuchten Bereichen keine Hinweise auf eine relevante tiefergehende Durchfeuchtung.

Fachtechnische Bewertung

Das Schadensbild ist grundsätzlich mit einer oberflächennahen Feuchtebelastung infolge reduzierter Oberflächentemperaturen vereinbar.

Nach den vorliegenden Angaben bestand die Problematik bereits vor der nachträglichen Dämmung der Außenlaibungen im Jahr 2025.

Die seinerzeit ungedämmten Laibungsbereiche konnten daher einen thermisch ungünstigen Bauteilbereich darstellen.

Die inzwischen erfolgte nachträgliche Dämmung stellt eine bauliche Verbesserung dieses Bereichs dar.

Eine abschließende Bewertung der früheren Schadensursache kann dabei nur unter Berücksichtigung der damaligen baulichen und raumklimatischen Bedingungen erfolgen.


8. Schlafzimmer – vorausgegangener Wasserschaden und Wärmebrücke

8.1 Befund

Im Schlafzimmer wurde ein flächiger Schimmelpilzbefall von etwa 1,5 m² auf der Raufasertapete im Bereich oberhalb des Fensters und auf der Deckenfläche festgestellt.

Zusätzlich zeigten sich in der dreidimensionalen Raumecke gelbliche Verfärbungen und mikrobieller Bewuchs.


8.2 Fachtechnische Bewertung

Die festgestellte Schadensbildstruktur mit aufgequollenem Putzgrund und gelblichen Verfärbungen ist mit einer vorausgegangenen erheblichen Feuchteeinwirkung vereinbar.

Nach den vorliegenden Angaben war zuvor ein Wassereintritt infolge einer Terrassenundichtigkeit aufgetreten.

Unter Berücksichtigung dieser Angaben ist ein Zusammenhang zwischen dem vorausgegangenen Feuchteeintrag und dem festgestellten Schadensbild fachlich nachvollziehbar.

Die vorhandene Geometrie der Raumecke kann gleichzeitig zu einer thermisch ungünstigeren Situation führen.

Eine verbliebene Bauteilfeuchte kann unter solchen Bedingungen zu einer verzögerten Austrocknung beitragen.

Das Zusammenwirken aus vorausgegangener Feuchteeinwirkung, baulicher Geometrie und den vorliegenden raumklimatischen Bedingungen ist daher bei der Bewertung des Schadens zu berücksichtigen


9. Wohnzimmer – Decken-Wand-Anschluss

9.1 Befund

Im Wohnzimmer wurde eine streifenförmige Schimmelpilzbildung entlang des Decken-Wand-Anschlusses an der Außenwand festgestellt.


9.2 Fachtechnische Bewertung

Der Befund ist mit einem thermisch ungünstigen Bereich im Bereich des Decken-Wand-Anschlusses vereinbar.

Auch bei einer energetisch ertüchtigten Außenwand können konstruktive Bauteilanschlüsse thermisch schwächere Bereiche darstellen.

Unter ungünstigen raumklimatischen Bedingungen kann dort die Oberflächentemperatur stärker absinken.

Dadurch kann die Oberflächenfeuchte im Vergleich zu angrenzenden Wandflächen ansteigen.

Für die Ursachenbewertung sind daher sowohl die baulichen Gegebenheiten als auch die raumklimatischen Bedingungen zu berücksichtigen.


10. Langzeit-Monitoring des Raumklimas

Die kontinuierliche Messung erfolgte über 12 Tage im Abstand von 10 Minuten.

Dadurch konnten insgesamt mehrere tausend Einzelmessungen ausgewertet werden.

Im Gegensatz zur Punktmessung ermöglicht die Langzeitaufzeichnung eine Betrachtung der zeitlichen Entwicklung der untersuchten Parameter.


Ausgewählte Messergebnisse

Messgröße Jugendzimmer (Raum 1) Schlafzimmer (Raum 3) Vergleichs-/Orientierungswerte
rel. Luftfeuchte (Min / Mittel / Max) 44,0% / 63,4% /73,3 49,6% / 70,8% / 79,7% 40% – 60% (Optimalbereich)
Raumlufttemp. (Min / Mittel / Max) 16,3°C / 19,5°C / 22,0°C 15,7°C / 17,4°C / 19,6°C 20°C – 22°C (Wohnen) / 16°C– 18°C (Schlafen)
Wandoberflächentemp. (Min / Mittel / Max) 16,6°C / 19,5°C / 22,2°C 8,7°C / 15,5°C / 17,9°C > 12,6°C (bei 20°C / 50% r.F.)

* Die Vergleichs- bzw. Bauphysikalische Soll-/Richtwerte dienen ausschließlich der fachlichen Einordnung. Sie stellen keine allgemein gültigen Grenzwerte für jeden Schadensfall dar. Die Bewertung muss immer unter Berücksichtigung der konkreten Raum- und Bauteilsituation erfolgen.


11. Fachtechnische Bewertung der Langzeitmessung

Die Langzeitaufzeichnung zeigt insbesondere im Schlafzimmer eine deutlich erhöhte relative Luftfeuchtigkeit.

Mit einem Mittelwert von etwa 70,8 % lag die relative Luftfeuchtigkeit während des Messzeitraums deutlich über einem für die Vermeidung schimmelbegünstigender Bedingungen günstigen Bereich.

Besonders auffällig war die gemessene minimale Wandoberflächentemperatur von lediglich 8,7 °C.

Damit wird deutlich, dass eine einzelne Momentaufnahme der Raumluft- und Bauteilbedingungen die tatsächliche Situation nur unzureichend abbilden kann.

Während des Messzeitraums wurden im Schlafzimmer wiederholt Bedingungen festgestellt, bei denen das Verhältnis von Raumluftfeuchtigkeit und Oberflächentemperatur eine erhöhte Oberflächenfeuchte begünstigen konnte.

Nach den vorliegenden Angaben wurde das Schlafzimmer während des Messzeitraums nicht als Schlafraum genutzt.

Eine erhöhte Feuchteabgabe durch die Nutzung als Schlafraum war nach diesen Angaben daher während des Messzeitraums nicht gegeben.

Als mögliche Einflussfaktoren wurden deshalb insbesondere

  • Feuchteübertrag aus angrenzenden Bereichen,
  • die vorhandenen baulichen Gegebenheiten,
  • die reduzierte Oberflächentemperatur
  • sowie die verbliebene Feuchte infolge des vorausgegangenen Wasserschadens

berücksichtigt.

Eine eindeutige Zuordnung der während der Langzeitmessung festgestellten erhöhten Luftfeuchtigkeit zu nur einer Ursache ist anhand der Messdaten allein nicht möglich.


12. Zusammenfassende Ursachenbewertung

Die Untersuchung ergibt insgesamt ein multifaktorielles Ursachengeschehen.

Die einzelnen Schadensbereiche sind dabei differenziert zu betrachten.


12.1 Fensterlaibungen

Im Bereich der Fensterlaibungen sind thermisch ungünstige konstruktive Bedingungen als wesentlicher Einflussfaktor der früheren Schimmelpilzbildung zu berücksichtigen.

Die nachträgliche Dämmung der Außenlaibungen im Jahr 2025 stellt eine bereits durchgeführte bauliche Verbesserung dar.


12.2 Schlafzimmer – Decke und Raumecke

Für den dort festgestellten erheblichen Schaden ist nach den vorliegenden Informationen ein vorausgegangener Feuchteeintritt von außen infolge einer Terrassenundichtigkeit von wesentlicher Bedeutung.

Die verbliebene Bauteilfeuchte kann in Verbindung mit der vorhandenen geometrischen Situation eine verzögerte Austrocknung begünstigt haben.

Die daraus resultierenden hygrothermischen Bedingungen waren für eine Schimmelpilzentwicklung günstig.


12.3 Raumklima und Nutzung

Während des Langzeitmesszeitraums wurden erhöhte relative Luftfeuchtigkeiten sowie zeitweise reduzierte Raumtemperaturen festgestellt.

Diese Faktoren können die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung schimmelbegünstigender Bedingungen unterstützen.

Nach der Gesamtbewertung sind sie jedoch nicht als alleinige Ursache sämtlicher festgestellter Schäden anzusehen.


13. Abgrenzung der möglichen Einflussfaktoren

Eine pauschale Zuordnung des gesamten Schadens zu einem einzigen Verursacher wäre anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht sachgerecht.

Die Untersuchung zeigt vielmehr, dass unterschiedliche Einflussfaktoren in den einzelnen Schadensbereichen unterschiedlich relevant sein können.

Dabei sind insbesondere zu unterscheiden:

Bauliche bzw. konstruktive Faktoren

  • thermisch ungünstige Bauteilanschlüsse
  • Fensterlaibungen
  • geometrische Wärmebrücken
  • Rollladenkästen
  • Decken-Wand-Anschlüsse

Frühere Feuchteeinwirkungen

  • vorausgegangener Wassereintritt
  • verbliebene Bauteilfeuchte
  • verzögerte Austrocknung

Raumklimatische Faktoren

  • erhöhte relative Luftfeuchtigkeit
  • zeitweise niedrigere Raumtemperaturen
  • reduzierte Oberflächentemperaturen

Nutzung

Das Nutzerverhalten ist bei der Bewertung grundsätzlich zu berücksichtigen.

Aus den vorliegenden Messdaten kann jedoch nicht pauschal abgeleitet werden, dass sämtliche Schadensbereiche durch das Heiz- oder Lüftungsverhalten verursacht wurden.


14. Sanierungsempfehlungen

Die Sanierung sollte grundsätzlich auf die jeweils festgestellte Schadensursache abgestimmt werden.

Eine alleinige Entfernung des sichtbaren Schimmelpilzbefalls beseitigt nicht automatisch die Ursache seiner Entstehung.


14.1 Schimmelsanierung

Befallene Raufasertapeten im Schlafzimmer sind fachgerecht zu entfernen.

Die weitere Bearbeitung und Reinigung der betroffenen Bereiche sollte entsprechend den anerkannten fachlichen Grundsätzen und unter Berücksichtigung der einschlägigen Empfehlungen des Umweltbundesamtes erfolgen.


14.2 Rollladenkästen

Zur Reduzierung thermisch ungünstiger Bereiche wurde eine fachgerechte nachträgliche Dämmung der älteren Rollladenkästen empfohlen.

Die Ausführung sollte fachgerecht erfolgen und darf keine neuen bauphysikalischen Probleme verursachen.


14.3 Raumklima

Auch in zeitweise nicht genutzten Räumen sollte eine ausreichende Mindestbeheizung sichergestellt werden.

Als Orientierung kann bei entsprechender Nutzungssituation eine Raumtemperatur von etwa 16–18 °C auch bei zeitweiser Nichtnutzung sinnvoll sein.

Darüber hinaus sollte durch bedarfsgerechtes Stoß- bzw. Querlüften eine möglichst günstige relative Raumluftfeuchtigkeit angestrebt werden.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Möglichkeiten des Lüftens immer von den tatsächlichen baulichen und nutzungsbedingten Gegebenheiten abhängen.


15. Grenzen der Untersuchung

Eine sachverständige Untersuchung kann nur die zum Untersuchungszeitpunkt festgestellten Verhältnisse und die daraus ableitbaren Zusammenhänge bewerten.

Insbesondere Momentaufnahmen von

  • Raumtemperatur,
  • relativer Luftfeuchtigkeit,
  • Oberflächentemperatur
  • und Bauteilfeuchte

können nicht ohne Weiteres auf längere Zeiträume übertragen werden.

Aus diesem Grund wurde im vorliegenden Fall ergänzend eine Langzeitmessung durchgeführt.

Auch Langzeitmessungen bilden nur den tatsächlich aufgezeichneten Zeitraum ab.

Darüber hinaus besitzen die einzelnen Messverfahren jeweils eine begrenzte Aussagekraft.

Ein einzelner Messwert wird deshalb nicht isoliert als Beweis für eine bestimmte Ursache verwendet.

Soweit eine Ursache anhand der vorhandenen Untersuchungsmöglichkeiten nicht eindeutig festgestellt werden kann, wird dies entsprechend berücksichtigt.


16. Zusammenfassende fachliche Bewertung

Die Untersuchung zeigt, dass der vorliegende Schimmelpilzschaden nicht auf eine einzige Ursache reduziert werden kann.

Vielmehr sind unterschiedliche Einflussfaktoren in den einzelnen Schadensbereichen zu berücksichtigen.

Im Bereich der Fensterlaibungen sind thermisch ungünstige konstruktive Bedingungen als wesentlicher Einflussfaktor für die frühere Schimmelpilzbildung zu berücksichtigen.

Im Schlafzimmer war nach den vorliegenden Informationen ein vorausgegangener Wassereintritt von wesentlicher Bedeutung. Die vorhandene bauliche Situation und die festgestellten raumklimatischen Bedingungen konnten die Schimmelpilzentwicklung zusätzlich begünstigen.

Die Langzeitmessung zeigte darüber hinaus, dass die tatsächlichen raumklimatischen Bedingungen zeitweise deutlich von den Bedingungen abwichen, die bei der einmaligen Untersuchung vor Ort festgestellt wurden.

Damit bestätigt der Referenzfall die Bedeutung einer kombinierten Untersuchung verschiedener Einflussfaktoren.


17. Fazit des Referenzgutachtens

Die Untersuchung zeigt exemplarisch, dass die Ursache eines Schimmelpilzschadens häufig nicht durch eine einzelne Messung festgestellt werden kann.

Erst die Kombination verschiedener Untersuchungsverfahren ermöglicht eine differenzierte fachtechnische Bewertung.

Im vorliegenden Referenzfall wurden unter anderem kombiniert:

**Bauteilfeuchtemessung

  • Raumklimamessung
  • Langzeitaufzeichnung
  • Oberflächentemperaturmessung
  • bauphysikalische Bewertung
  • Schadensbildanalyse**

Dadurch konnten unterschiedliche Einflussfaktoren – darunter bauliche Wärmebrücken, frühere Feuchteeinwirkungen und raumklimatische Bedingungen – voneinander abgegrenzt und gemeinsam bewertet werden.

Dabei wurde bewusst zwischen

Feststellung,
fachlicher Bewertung

und
Schlussfolgerung

unterschieden.

Nicht jeder auffällige Messwert ist automatisch die Ursache eines Schadens.

Ebenso lässt sich nicht jede mögliche Ursache durch eine einzelne Messung bestätigen oder ausschließen.

Die sachverständige Bewertung entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel der Feststellungen, Messungen und der fachlichen Einordnung der jeweiligen Untersuchungsergebnisse.


18. Grundsatz der sachverständigen Tätigkeit

Eine unabhängige sachverständige Untersuchung bedeutet:


Der Auftraggeber bestimmt die Fragestellung – nicht das Ergebnis.

Die Aufgabe des Sachverständigen besteht darin, die vorhandenen Verhältnisse zu untersuchen, nachvollziehbar zu dokumentieren und fachlich zu bewerten.

Dabei können sich Vermutungen des Auftraggebers bestätigen.

Sie können sich aber ebenso als nicht ausreichend begründet herausstellen.

Auch die Grenzen der Aussagekraft müssen benannt werden, wenn eine eindeutige Feststellung anhand der vorhandenen Untersuchungsmöglichkeiten nicht möglich ist.


Ich möchte nicht Recht haben – ich möchte herausfinden, was tatsächlich festgestellt werden kann


19. Fotodokumentation

19.1 Schimmelschaden über dem Fenster

Befund:

Anonymisierte Fotodokumentation des festgestellten Schimmelpilzbefalls im Bereich des Fensteranschlusses.

Die Aufnahme dokumentiert das sichtbare Schadensbild und dient der Zuordnung zu den im Gutachten beschriebenen Untersuchungsbereichen.

Schimmelschaden über dem Fenster

19.2 Wasserschaden mit Schimmelpilzbildung

Befund:
Anonymisierte Darstellung des festgestellten Feuchteschadens und der daraus resultierenden mikrobiellen Auffälligkeiten.

Das Schadensbild wird im Gutachten gemeinsam mit den Angaben zum vorausgegangenen Wassereintritt und den weiteren Untersuchungsergebnissen bewertet.

Wasserschaden mit Schimmelpilzbildung

19.3 Schimmelpilzbildung im Bereich der Gardinenleiste

Befund:

Detailaufnahme des festgestellten Schimmelpilzbefalls im Bereich der Gardinenleiste.

Die fotografische Dokumentation dient der nachvollziehbaren Darstellung des sichtbaren Schadensbildes.

Schimmelschaden zwischen der Gardinenleiste

20. Fred Rohleder (Dipl.-BWA)

Freier, unabhängiger Sachverständiger und Gutachter für Feuchte- und Schimmelschäden

Frankfurt am Main und Rhein-Main-Gebiet

Meine Tätigkeit umfasst die unabhängige Untersuchung, Dokumentation und fachliche Bewertung von Feuchte- und Schimmelschäden.

Dabei steht nicht die möglichst schnelle Zuordnung zu einer bestimmten Ursache im Vordergrund, sondern die nachvollziehbare Untersuchung der tatsächlich festgestellten Verhältnisse.


Sie haben einen Schimmel- oder Feuchteschaden?

Eine fachgerechte Ursachenanalyse kann helfen, zwischen unterschiedlichen Einflussfaktoren zu unterscheiden – beispielsweise:

  • baulichen Ursachen
  • Wärmebrücken
  • Kondensationsbedingungen
  • vorausgegangenen Wasserschäden
  • Feuchtebelastungen
  • raumklimatischen Einflüssen
  • und nutzungsbedingten Faktoren.

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach der konkreten Fragestellung und dem jeweiligen Schadensbild.

Vereinbaren Sie einen Termin für eine unabhängige sachverständige Untersuchung Ihres Schadensfalls.


Fred Rohleder (Dipl.-BWA)
Freier, unabhängiger Sachverständiger und Gutachter für Feuchte- und Schimmelschäden

Frankfurt am Main

Unabhängig. Neutral. Ergebnisoffen.


Hinweis

Dieses Muster stellt ein anonymisiertes Referenzbeispiel dar. Die dargestellten Messwerte und Untersuchungsergebnisse beziehen sich auf den beschriebenen Referenzfall und dürfen nicht auf andere Gebäude oder Schadensfälle übertragen werden.

Ein tatsächliches Gutachten wird immer anhand der konkreten Fragestellung, der örtlichen Gegebenheiten und der tatsächlich erhobenen Untersuchungsergebnisse erstellt.